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Artikel » Kultur » 22 Kinder sterben bei Bus-Unglück: Schulausflug ins Winter-Glück endet in Tragödie Artikel-Infos
   

Kultur   22 Kinder sterben bei Bus-Unglück: Schulausflug ins Winter-Glück endet in Tragödie
15.03.2012 von Sabbelschnute

Müde saßen die belgischen Kinder im Unglücksbus. Mit vielen schönen Erinnerungen. Ihr Urlaub war bis dahin ein Traum in Weiß gewesen.Nach BILD.de-Recherchen waren vier Gruppen mit 125 Kindern in der Ski-Freizeit im Schweizer Ferienort St-Luc/Chandolin dabei, verbrachten dort die belgischen „Krokusferien“. Darunter: die Schulklassen der t'Stekske-Schule in Lommel und der Sint-Lambertus-Schule in Heverlee, die nach Lambertus, dem katholischen Schutzpatron der Schuster und Schuhmacher benannt ist.

Alles hatte so schön begonnen: Die Anreise aus Belgien (559 km) am 5. März lief perfekt. Wenig Verkehr, gute Laune, Cola und belegte Brote von Mama. Mit dem Kultfilm „Avatar“ vertrieben sich die Teenager aus Heverlee die Zeit. Sie kamen sogar eine Stunde früher an als geplant. „Ganz viele Grüße von uns allen aus dem sonnigen und gemütlichen Saint-Luc“, schrieb ein Betreuer via Internet nach Hause. „Tag, ihr alle! Noch nicht nervös? Heute verreisen wir endlich in die Schneefreizeit!“, schrieb Joepie fröhlich ins Online-Tagebuch der Sint-Lambertus-Schule. Dahinter setzte er einen Smiley.

Ob Joepie das Bus-Unglück in der Schweiz überlebt hat, ist unklar.Untergebracht waren die Kids in der alten Herberge „Cervin“. Ein bisschen Alpen-Abenteuer...

Auf der Hotel-Homepage ein Satz des Genfer Philosophen Rousseau: „Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen...“

Zehn Tage Schneefreizeit auf der Sonnenterrasse im malerischen Val d'Anniviers im Schweizer Wallis, 1660 Meter hoch in den Alpen gelegen. 65 Pistenkilometer. Zwölf Schlepp- und zwei Sessellifte, eine Gondel. Kein schweres Skigebiet. Ideal für Anfänger. Über dem Dorf thront der Bella Tola (3026 Meter). Und in der Ferne glänzt das berühmte Matterhorn im Sagenhaft-Panorama. St-Lucs Werbespruch: „Zwischen Himmel und Erde, das Dorf in den Sternen.“ 53 Euro kostete der Skipass für Anfänger, 98 für die fortgeschrittenen Kinder. Gruppentarif für die Schüler aus Belgien.Die Schüler tanzten im Schnee, fotografierten sich gegenseitig, Arm in Arm mit ihren besten Klassenkameraden. Oben in den Bergen aßen sie ihre Brotzeit an der Piste. Lunchpakete, weil's billiger war als in den teuren Restaurants im Skigebiet. Immer zusammen. Unzertrennlich. „Wir sind ein Team!“
.




Einer ihrer Betreuer war sogar ständig mit einer Helm-Kamera unterwegs, schoss Bilder.

Nach dem Skifahren gab es draußen ein Barbecue-Grillen mit Fackeln und Lagerfeuer-Romantik. Bei Wanderungen erkundeten sie die Pflanzenwelt. Und abends spielten die Kids (fast alle 12 Jahre alt) ein bisschen erwachsen sein – bei einem Kasino-Abend mit Roulette und Kartentisch. Sie posierten paarweise vor der Kamera wie beim Abschlussball in der Tanzschule. Hatten extra schicke Garderobe eingepackt. Sogar Abendkleidchen, Anzüge und Krawatten. Um danach ausgelassen in der Herberge abzurocken...

Alle lachten. Der totale Schnee-Spaß, Kinder-Scherze, Grimassen beim Abendessen.Der erste Urlaub ohne Eltern war so perfekt, wie er angefangen hatte...

Doch nach einer Woche kam das Heimweh. Immer mehr Kinder schrieben nach Hause zu ihren Lieben.

„Ich liebe euch für immer. Ich liebe euch für ewig. Solange ich lebe, werdet ihr meine Familie sein“, schrieb Elize. Und Clara meldete sich: „Tagchen, Mama und Papa. Ich amüsiere mich hier sehr gut, aber ich vermisse euch auch schon ein bisschen...“ Zum Ende hin wurde die Wehmut dann ganz groß: „Liebste Mama und Papa. ich fühle mich hier sauwohl. Aber ich vermisse euch so sehr. Love you. Kusjes! Sarah.“ Sonya verabschiedete sich so: „Tag, Mama und Papa. Hier ist es seeeeehr fein. Sorgt gut für Lola. Grüße an Oma und Opa. Bis morgen dann!“

Sonya kam nicht mehr in Belgien an. Ihr „Top-Tours“-Bus zerschellte in einem Tunnel. 22 Kinder tot. Außerdem vier Begleiter und zwei Fahrer. Sie hatten keine Chance, als der 14-Tonner an der Betonwand einer Nothaltebucht von vermutlich etwa 80 km/h durch den Aufprall abrupt auf 0 bremste. 24 Kinder wurden verletzt.


Quelle: ddp direct


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